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Verfasst von Florian Güldenpfennig

Wissenschaftliche Arbeit zu Partizipativen Design veröffentlicht:

» Bitte keine Kameras im Badezimmer! «

Moderne Technologien können zugleich Fluch und Segen sein. Während sie uns befähigen Dinge zu tun, die einst als undenkbar galten, können sie ebenso unkontrollierbare Kräfte freisetzen und ungewollte Kettenreaktionen auslösen. Verschärfend kommt hinzu, dass diese Potentiale nur schwer durchschau- und vorhersagbar sind. Dies gilt insbesondere auch für das »Internet der Dinge« und »smarte vernetzte Sensorsysteme«.

 

Um die Potentiale und Risiken hinter modernen Technologien besser zu kommunizieren und zu veranschaulichen, haben wir vom Team »Design Digitaler Systeme – IoT« zusammen mit Forscherinnen der TU Wien einen Satz Spielkarten entwickelt (siehe Abbildung), um spielerisch mit interessierten Laien Gespräche über Technologien zu führen.


Der Kartensatz ist explizit für sogenannte »partizipative Design Prozesse« konzipiert worden, in welchen Designer*innen beziehungsweise Forscher*innen mit älteren Personen über ihre Erwartungen gegenüber unterstützenden Technologien für den Heimbereich sprechen. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln – vom Sturzüberwachungssystem bis zum Pflegeroboter. Entscheidend ist, dass die Karten dabei helfen, eine strukturierte Konversation über Dinge zu führen, die den (älteren) Personen so wahrscheinlich nicht in den Sinn kommen würden, weil sie einfach nicht Teil ihrer Lebenswelt sind.


Abbildung: Spielkarten rund um das Thema technologische Chancen und Risiken. Illustriert von Peter Fikar.


Mit den »Raumkarten« wird ein Grundriss ihrer Wohnung gelegt und eine Spielfigur bewegt sich sodann von Raum zu Raum. Durch Karten weiterer Kategorien, wie etwa den »Sozialkarten« entfaltet sich ein lockeres Gespräch über Personen und Dinge, die den älteren Personen wichtig sind und wie diese mit ihrer Umgebung zusammenhängen. Stets geht es bei dem Gespräch auch darum, wie moderne Technologien es ermöglichen können, dieses erstrebte Leben möglichst lange unabhängig zuhause führen zu können (z.B. durch den schon erwähnten Pflegeroboter).

Die »Provokationskarten« setzen schließlich bewusst kleinere, auf Technologie bezogene Irritationen, indem sie Fragen aufwerfen wie zum Beispiel: „Was wäre, wenn der Roboter Kameras als Augen hätte?“ Dadurch soll vermittelt werden wie die Technologien konkret funktionieren und dass mit diesen Lösungen gegebenenfalls auch gewisse Probleme einhergehen könnten.


Mittels der Karten ist es so gelungen, Gespräche über das schwierige und wenig greifbare Thema der Chancen und Risiken von Technologie zu führen. Solche kreativen Forschungsansätze sind dringend notwendig, denn die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet weiter voran und keine Gruppe von Menschen sollte blind und ohne Mitspracherecht diesen mächtigen Umwälzungen ausgesetzt werden. So lautete eine Reaktion einer älteren Teilnehmerin, nachdem sie nun verstanden hatte, dass Service- und Pflegeroboter durchaus mit optischen Sensoren bestückt sind: „Bitte keine Kameras im Badezimmer!“



Link zur wissenschaftlichen Veröffentlichung (Open Access)

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